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Was wird aus meinen Mitarbeitern, wenn ich den Betrieb übergebe?

Liegt ein Betriebsübergang im Sinne von § 613a BGB vor, tritt der neue Inhaber grundsätzlich in bestehende Arbeitsverhältnisse ein. Der Übergang selbst ist kein zulässiger Kündigungsgrund. Entscheidend sind die Art der Übertragung und eine korrekte Unterrichtung.

Frage 1

Was passiert mit den Arbeitsverträgen, wenn ich meinen Betrieb übergebe?

Bei einem Betriebsübergang im Sinne von § 613a BGB tritt der neue Inhaber grundsätzlich in die bestehenden Arbeitsverhältnisse ein. Ein neuer Arbeitsvertrag ist dafür nicht erforderlich. Ob ein Betriebsübergang vorliegt, muss anhand der konkreten Übertragung geprüft werden.

Quelle: Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet

Der Grundsatz ist einfach und für Ihre Mannschaft beruhigend: Der Nachfolger tritt in die Arbeitsverhältnisse ein, so wie sie sind. Der Geselle, der seit 22 Jahren bei Ihnen ist, bleibt am Tag nach der Übergabe der Geselle mit 22 Jahren Betriebszugehörigkeit. Sein Lohn, seine Überstundenregelung, sein Urlaubsanspruch und mündlich gelebte Zusagen, die Inhalt des Arbeitsverhältnisses geworden sind: alles läuft weiter.

Das gilt automatisch, also auch dann, wenn im Kaufvertrag dazu nichts steht. Der Nachfolger kann die Übernahme der Mannschaft nicht abwählen, und er kann sie nicht davon abhängig machen, dass Mitarbeiter schlechtere Verträge unterschreiben.

Die Grafik zeigt die Grundregeln. Sie begründet keine allgemeine Arbeitsplatz- oder Bedingungsgarantie.

§ 613a BGB im Überblick

Was beim Betriebsübergang mit Ihrer Mannschaft passiert

  1. Vor dem Übergabetag

    Unterrichtung in Textform

    Jeder betroffene Mitarbeiter wird über Zeitpunkt, Grund, Folgen und geplante Maßnahmen des Übergangs informiert (§ 613a Abs. 5 BGB).

  2. 1 Monat ab ordnungsgemäßer Unterrichtung

    Widerspruchsrecht

    Jeder Mitarbeiter kann dem Übergang schriftlich widersprechen. Dann bleibt sein Arbeitsverhältnis beim bisherigen Inhaber (§ 613a Abs. 6 BGB).

  3. Übergabetag

    Verträge gehen automatisch über

    Der Nachfolger tritt kraft Gesetzes in alle bestehenden Arbeitsverhältnisse ein. Kein neuer Vertrag nötig (§ 613a Abs. 1 BGB).

  4. 12 Monate danach

    Schutz kollektiver Regelungen

    Für bestimmte kollektiv begründete Rechte gilt eine Jahresregel; § 613a Abs. 1 enthält Ausnahmen. Keine allgemeine Arbeitsplatzgarantie.

Das bleibt bestehen

  • Arbeitsvertrag mit Lohn, Arbeitszeit und allen Zusagen
  • Betriebszugehörigkeit und daraus folgende Kündigungsfristen
  • Urlaubsansprüche und Überstundenkonten

Das ist nicht zulässig

  • Kündigung wegen des Betriebsübergangs: unwirksam (§ 613a Abs. 4 BGB)
  • Missachtung der Jahresregel für bestimmte kollektiv begründete Rechte; Ausnahmen sind zu prüfen
  • Neue Verträge zu schlechteren Bedingungen als Voraussetzung der Übernahme
Grundregeln des § 613a BGB bei einem Betriebsübergang. Die Jahresregel für bestimmte kollektiv begründete Rechte hat gesetzliche Ausnahmen.

Frage 2

Darf der Nachfolger meinen Leuten wegen der Übergabe kündigen?

Nein. Eine Kündigung, die wegen des Betriebsübergangs ausgesprochen wird, ist nach § 613a Absatz 4 BGB unwirksam. Das gilt für den bisherigen Inhaber genauso wie für den Nachfolger. Kündigungen aus anderen Gründen bleiben nach den allgemeinen Regeln möglich.

Quelle: Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet

Das Gesetz zieht hier eine klare Linie: Der Übergang selbst ist niemals ein Kündigungsgrund. Ein Nachfolger, der den Betrieb schlanker übernehmen will, kann sich nicht auf die Übergabe berufen.

Wichtig für ein ehrliches Bild: § 613a macht Mitarbeiter nicht unkündbar. Eine Kündigung aus Gründen, die mit dem Übergang nichts zu tun haben, etwa bei tatsächlichem Auftragseinbruch nach den allgemeinen Regeln des Kündigungsschutzes, bleibt möglich. Der Unterschied liegt im Grund, und im Streitfall muss der Arbeitgeber ihn belegen können.

Für bestimmte Rechte aus Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen enthält § 613a Absatz 1 eine Jahresregel gegen nachteilige Änderungen. Dafür gelten Ausnahmen, etwa bei anderen kollektivrechtlichen Regelungen beim neuen Inhaber. Daraus folgt keine allgemeine Garantie unveränderter Bedingungen oder eines Arbeitsplatzes für ein Jahr.

Frage 3

Muss ich meine Mitarbeiter informieren, und können sie widersprechen?

Betroffene Beschäftigte sind vor dem Übergang in Textform über Zeitpunkt, Grund, Folgen und geplante Maßnahmen zu unterrichten. Der schriftliche Widerspruch ist innerhalb eines Monats nach Zugang einer ordnungsgemäßen Unterrichtung möglich.

Quelle: Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet

Die Unterrichtung nach § 613a Absatz 5 BGB ist Pflicht, nicht Kür. Sie muss den geplanten Zeitpunkt nennen, den Grund des Übergangs, die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen für die Mitarbeiter sowie geplante Maßnahmen. Ob Sie oder der Nachfolger unterrichten, können Sie untereinander regeln, sinnvoll ist ein gemeinsames Schreiben.

Die Sorgfalt lohnt sich aus einem handfesten Grund: Die Widerspruchsfrist von einem Monat beginnt erst mit einer vollständigen und korrekten Unterrichtung. Ist das Schreiben lückenhaft, kann ein Mitarbeiter unter Umständen noch lange nach der Übergabe widersprechen. Deshalb gehört dieses Schreiben in fachkundige Hände.

Bei einem wirksamen Widerspruch bleibt das Arbeitsverhältnis beim bisherigen Inhaber. Ob dort eine Weiterbeschäftigung möglich ist und welche Folgen entstehen, muss individuell geklärt werden. Das Unterrichtungsschreiben sollte diese Folgen verständlich behandeln.

Frage 4

Hafte ich nach der Übergabe noch für Löhne und Ansprüche?

Für vor dem Übergang entstandene Verpflichtungen haftet der bisherige Arbeitgeber unter den Voraussetzungen des § 613a Absatz 2 neben dem neuen Inhaber. Bei erst nach dem Übergang fälligen Verpflichtungen sieht die Vorschrift eine zeitanteilige Begrenzung vor.

Quelle: Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet

Diese Regel überrascht viele Übergeber, deshalb gehört sie früh auf den Tisch. Ansprüche Ihrer Mitarbeiter, die in Ihrer Zeit als Inhaber entstanden sind, verschwinden mit der Übergabe nicht. Werden sie im ersten Jahr nach dem Übergang fällig, können sich Mitarbeiter sowohl an den Nachfolger als auch an Sie wenden.

In der Praxis regelt der Kaufvertrag, wer solche Posten im Innenverhältnis trägt. Dafür müssen sie aber bekannt sein: Offene Urlaubstage, Überstundenkonten, zugesagte Sonderzahlungen und Zusagen zur betrieblichen Altersversorgung gehören sauber aufgelistet und bewertet. Das schützt Sie vor späten Überraschungen und schafft Vertrauen beim Nachfolger.

Frage 5

Gilt § 613a auch, wenn ich meine GmbH-Anteile übergebe?

Nein. Werden nur die Geschäftsanteile einer GmbH übertragen, bleibt die GmbH als Arbeitgeberin unverändert bestehen: Die Arbeitsverhältnisse laufen ohnehin weiter, § 613a wird nicht gebraucht. Der Paragraf greift, wenn der Betrieb selbst einen neuen Inhaber bekommt, etwa beim Einzelunternehmen.

Quelle: Bundesministerium der Justiz, Gesetze im Internet

Für Ihre Mitarbeiter ist das Ergebnis in beiden Fällen ähnlich beruhigend, der Weg ist nur ein anderer. Übergeben Sie ein Einzelunternehmen oder verkauft Ihre Gesellschaft den Betrieb mit Werkstatt, Aufträgen und Team an einen neuen Inhaber, wechselt der Arbeitgeber: Dann sorgt § 613a für den Schutz.

Wechseln dagegen nur die Gesellschafter der GmbH, merken die Mitarbeiter davon rechtlich nichts: Ihr Arbeitgeber, die GmbH, bleibt derselbe, alle Verträge gelten unverändert. Unterrichtungspflicht und Widerspruchsrecht aus § 613a gibt es in diesem Fall nicht.

Welcher Weg für Ihre Übergabe der richtige ist, hängt von Steuern, Haftung und Finanzierung ab und gehört in die gemeinsame Beratung mit Steuerberater und Anwalt. Für das Gespräch mit Ihrer Mannschaft ist entscheidend: In beiden Varianten sind die Arbeitsverhältnisse geschützt.

Frage 6

Wann und wie sage ich es meiner Mannschaft am besten?

Planen Sie persönliche Information und gesetzliche Unterrichtung gemeinsam mit der rechtlichen Beratung. Die Belegschaft sollte erfahren, wer künftig führt, was sich konkret ändern soll und an wen sie sich wenden kann.

Die größte Gefahr für den Betrieb ist nicht das Gesetz, sondern die Unruhe: Wer von einer möglichen Übergabe aus dem Flurfunk erfährt, denkt über seine Zukunft nach, und die besten Leute finden am schnellsten etwas Neues. Deshalb gilt während der Suche strikte Diskretion und ab Vertragssicherheit offene, persönliche Kommunikation.

Trennen Sie im Gespräch gesicherte Tatsachen von noch offenen Plänen. Der gesetzliche Schutz vor einer Kündigung wegen des Übergangs ist keine Garantie, dass jeder Arbeitsplatz dauerhaft unverändert bleibt.

Gut gemacht, wird aus dem gefürchteten Moment ein Vertrauensbeweis: Die Mannschaft sieht, dass Sie die Zukunft des Betriebs geordnet haben, statt ihn einfach zu verlassen.

Diskretion, konkret

Wer sieht was?

Sie können sich informieren, ohne Ihren Betrieb öffentlich zur Übergabe anzubieten.

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Nur die Angaben, die Sie selbst senden. Ihre Nachricht wird nicht öffentlich angezeigt.
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Häufig gefragt

Kurze Antworten zum Thema

Die Antworten dienen der ersten Orientierung und ersetzen keine individuelle steuerliche oder rechtliche Prüfung.

Behalten meine Mitarbeiter ihre Betriebszugehörigkeit?
Ja. Die Betriebszugehörigkeit läuft beim Nachfolger weiter, als hätte es den Wechsel nicht gegeben. Das ist unter anderem für Kündigungsfristen und Ansprüche relevant, die an die Dauer der Zugehörigkeit anknüpfen.
Kann der Nachfolger neue Arbeitsverträge verlangen?
Für den gesetzlichen Übergang sind neue Verträge nicht erforderlich. Ob spätere Änderungen zulässig sind, hängt von ihrer Grundlage und dem Einzelfall ab; die Jahresregel für bestimmte kollektiv begründete Rechte enthält Ausnahmen.
Was gilt für Auszubildende bei der Übergabe?
Ausbildungsverhältnisse gehen beim Betriebsübergang ebenso auf den Nachfolger über wie Arbeitsverhältnisse. Der Nachfolger muss die Ausbildung fortführen können, im Handwerk gehört dazu die Ausbildungsberechtigung. Das sollte bei der Auswahl des Nachfolgers früh geklärt werden.
Was passiert, wenn ein Mitarbeiter dem Übergang widerspricht?
Sein Arbeitsverhältnis bleibt beim bisherigen Inhaber. Gibt es dort nach der Übergabe keinen Arbeitsplatz mehr, kann eine betriebsbedingte Kündigung folgen. Deshalb sollten Mitarbeiter die Folgen eines Widerspruchs kennen, bevor sie ihn erklären.
Gilt § 613a auch bei Verpachtung des Betriebs?
Ja, das kann er. Entscheidend ist nicht die Vertragsform, sondern ob eine wirtschaftliche Einheit unter Wahrung ihrer Identität auf einen neuen Inhaber übergeht. Auch eine Verpachtung kann ein Betriebsübergang sein. Die Einordnung des Einzelfalls gehört in anwaltliche Beratung.

Quellen und weiterführende Informationen

Ohne Anmeldung. Ohne Veröffentlichung.

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