Frage 1
Womit beginne ich, wenn die Unterlagen verteilt liegen?
Legen Sie zuerst ein Verzeichnis an: Was liegt beim Steuerberater, was im Büro und was nur in Ihrem Kopf? Kennzeichnen Sie fehlende Unterlagen und bestimmen Sie für jede Lücke einen nächsten Schritt.
Ohne diese Übersicht fällt oft erst in einem Gespräch auf, dass Zahlen nicht vergleichbar, Verträge nicht auffindbar oder wichtige Aufgaben nur mündlich geregelt sind. Ein Nachfolger kann dann weder Aufwand noch Risiken sauber beurteilen.
Beginnen Sie mit der Ablage auf Ihrem eigenen Gerät oder in einem geeigneten geschützten Bereich. Versenden Sie die vollständige Mappe nicht mit der ersten Anfrage. Eine Liste der vorhandenen Dokumente reicht zunächst.
- Dokument oder Thema benennen
- Zuständige Person und Ablageort notieren
- Stand und offene Fragen ergänzen
- Festlegen, ab welcher Gesprächsphase es benötigt wird
Frage 2
Welche Zahlen helfen bei einer Bewertung?
Mehrere abgeschlossene Geschäftsjahre, eine aktuelle BWA und Erläuterungen zu Sondereffekten bilden den Anfang. Zusätzlich müssen die Arbeit und Vergütung des Inhabers sowie der künftig erzielbare Ertrag verstanden werden.
Quelle: ZDH
Umsatz allein erklärt keinen Betriebswert. Ein Großauftrag, ein einmaliger Erlös oder eine außergewöhnliche Reparatur können ein einzelnes Jahr verzerren. Lassen Sie solche Effekte von der Steuerberatung einordnen.
Das AWH-Verfahren betrachtet die Besonderheiten kleiner Handwerksbetriebe. Eine belastbare Bewertung braucht die tatsächlichen Unterlagen und begründete Annahmen. Der Online-Rechner von weitermeistern zeigt nur ein vereinfachtes, noch nicht fachlich kalibriertes Modell.
Frage 3
Was muss ein Nachfolger über den Alltag erfahren?
Ein Nachfolger muss erkennen, wer Kunden betreut, kalkuliert, Einsätze plant und fachliche Verantwortung übernimmt. Ergänzen Sie Auftragsstruktur, Qualifikationen und anstehende Investitionen.
Schreiben Sie eine typische Arbeitswoche auf. Bei welchen Entscheidungen werden Sie angerufen? Welche Aufgabe bleibt liegen, wenn Sie fehlen? Diese Fragen machen Ihre Rolle übertragbar.
Erfassen Sie Personal zunächst nach Funktionen und Qualifikationen. Eine erste Orientierung benötigt keine privaten Mitarbeiterdaten. Maschinen und Fahrzeuge sollten nach Eigentum, Finanzierung und Zustand getrennt werden.
- Zuständigkeiten und Vertretungen
- Wiederkehrende Aufträge und Kundenkonzentration
- Laufende Projekte, Anzahlungen und offene Leistungen
- Maschinen, Fahrzeuge und absehbarer Ersatzbedarf
- Immobilie: Eigentum oder Miete und geplante Nutzung
Frage 4
Welche Verträge gehören in die Prüfung?
Miet-, Leasing-, Finanzierungs-, Arbeits- und wesentliche Kundenverträge gehören in eine spätere fachliche Prüfung. Aus der bloßen Ablage folgt noch nicht, dass ein Vertrag auf einen Nachfolger übertragbar ist.
Quelle: § 613a BGB
Notieren Sie Laufzeit, Kündigungsregelungen und den jeweiligen Vertragspartner. Besondere Zustimmungserfordernisse und Verpflichtungen müssen rechtlich geprüft werden.
Die Übergabeform verändert die Prüfung. Gerade bei Mitarbeiterrechten, Immobilien und laufenden Gewährleistungen sollten Sie sich nicht allein auf eine allgemeine Checkliste verlassen.
Frage 5
Wann gebe ich die Unterlagen weiter?
Erst wenn Empfänger, Zweck und Umfang klar sind. Starten Sie mit groben Eckdaten, prüfen Sie den Interessenten und vereinbaren Sie bei Bedarf Vertraulichkeit, bevor Sie einzelne Dokumente freigeben.
Quelle: DSGVO Artikel 5
Eine komplette Mappe auf Vorrat zu verschicken schafft unnötige Einblicke. Dokumentieren Sie, was Sie wem zur Verfügung gestellt haben. Bereits erhaltene Kopien können Sie technisch nicht verlässlich zurückholen.
Als nächster Schritt genügt es, die offenen Punkte Ihrer Mappe zu priorisieren. Die kostenlose Nachfolge-Checkliste hilft dabei; danach können Sie Ihre Zahlen in einer ersten Wertspanne einordnen.