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Zahlen und Fakten

Wie viele Handwerksbetriebe suchen einen Nachfolger? Die Zahlen und was sie messen

Über die Nachfolge im Handwerk kursieren viele Zahlen. Manche messen Absichten im ganzen Mittelstand, andere schätzen übergabereife Unternehmen oder stammen aus einer Befragung von 2020. Hier steht, welche Zahl was bedeutet und wie alt sie ist.

Frage 1

Wie viele Handwerksbetriebe suchen in den nächsten Jahren einen Nachfolger?

Eine aktuelle bundesweite Zahl nur für das Handwerk gibt es nicht. Die jüngste Hochrechnung des ZDH stammt aus einer Befragung von 6.243 Betrieben im Jahr 2020: Bei bis zu 125.000 Handwerksbetrieben steht in fünf Jahren eine Übergabe an. Damals planten 22 Prozent der Inhaber eine Übergabe und 11 Prozent eine Schließung.

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks, Handwerkskammer Dortmund

Wer heute die Zahl 125.000 liest, sollte ihr Alter kennen. Der Fünfjahreszeitraum der Hochrechnung begann mit der Befragung im dritten Quartal 2020 und ist inzwischen weitgehend abgelaufen. Die neue Befragung des ZDH lief bis Ende Oktober 2026.

Einen aktuellen Eindruck aus dem Handwerk gibt eine regionale Umfrage. Im Bezirk der Handwerkskammer Dortmund planen laut ihrer Befragung von rund 590 Betrieben im Frühjahr 2026 rund 33 Prozent eine Übergabe innerhalb von fünf Jahren. Die Zahl gilt nur für diesen Kammerbezirk.

Frage 2

Warum nennen KfW und IfM Bonn beide 186.000 Nachfolgen?

Weil beide Zahlen zufällig gleich hoch sind, aber Verschiedenes messen. Die KfW zählt rund 186.000 Inhaber im gesamten Mittelstand, die bis Ende 2026 eine Nachfolge anstreben. Das IfM Bonn schätzt etwa 186.000 Familienunternehmen, die 2026 bis 2030 zur Übergabe anstehen. Keine der beiden Zahlen gilt nur für das Handwerk.

Quelle: KfW Research, IfM Bonn

Die KfW-Zahl beruht auf einer Befragung von 13.079 mittelständischen Unternehmen im Frühjahr 2025. Bis Ende 2029 streben laut KfW rund 545.000 Inhaber eine Nachfolge an. Das IfM Bonn rechnet dagegen aus der Steuer- und Bilanzstatistik, welche Unternehmen genug Ertrag haben, um für einen Nachfolger interessant zu sein, und deren Inhaber im Zeitraum 67 Jahre alt werden oder wegen Krankheit oder Tod ausscheiden.

Wer die Zahlen in einem Vortrag oder Artikel verwendet, sollte deshalb immer Quelle, Zeitraum und Abgrenzung nennen. Addieren lassen sie sich nicht.

Vier Zahlen, vier Fragen

Was die häufig zitierten Nachfolgezahlen tatsächlich messen

  • rund 186.000

    KfW Research, Januar 2026

    Inhaber im gesamten Mittelstand, die bis Ende 2026 eine Nachfolge anstreben

    Befragung von 13.079 Unternehmen im Frühjahr 2025, alle Branchen

  • etwa 186.000

    IfM Bonn, November 2025

    Familienunternehmen, die 2026 bis 2030 zur Übergabe anstehen

    Schätzung aus Steuer- und Bilanzstatistik, nur Unternehmen mit ausreichendem Ertrag

  • bis zu 125.000

    ZDH, März 2021

    Handwerksbetriebe, bei denen in fünf Jahren eine Übergabe ansteht

    Hochrechnung zur Befragung von 6.243 Betrieben im dritten Quartal 2020

  • 5.620

    DIHK, Juli 2025

    Unternehmen ohne passenden Interessenten in der IHK-Beratung 2024

    Nur IHK-Bereich, also Industrie, Handel und Dienstleistungen, nicht Handwerk

Zweimal 186.000, zwei verschiedene Dinge: Die KfW zählt Absichten im Mittelstand bis Ende 2026, das IfM schätzt übergabereife Familienunternehmen für fünf Jahre. Beide Zahlen lassen sich nicht addieren und nicht auf das Handwerk übertragen.

Quellen: KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 526 vom 9. Januar 2026; IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. 37, November 2025; ZDH, Betriebsnachfolge im Handwerk, März 2021; DIHK, Unternehmensnachfolge-Report 2025 vom 21. Juli 2025. Alle abgerufen am 5. November 2026.

Frage 3

Wie alt sind die Inhaber heute?

Im gesamten Mittelstand waren 2025 laut KfW 57 Prozent der Inhaber 55 Jahre oder älter, vor 20 Jahren waren es 20 Prozent. Wer bis Ende 2026 übergeben will, ist im Schnitt 66,5 Jahre alt. Für das Handwerk nannte der ZDH 2021 ein Durchschnittsalter von 55 Jahren. Beinahe jeder vierte Inhaber war älter als 60.

Quelle: KfW Research, Zentralverband des Deutschen Handwerks, DIHK

Eine aktuelle Altersstatistik nur für Handwerksinhaber haben wir in keiner Primärquelle gefunden. Die KfW-Zahlen umfassen alle Branchen des Mittelstands, also auch Handel und Dienstleistungen.

Das Durchschnittsalter derjenigen, die kurzfristig übergeben wollen, zeigt etwas Wichtiges: Viele beginnen erst kurz vor dem Rentenalter. Laut DIHK bereiten 38 Prozent der beratenen Inhaber die Übergabe zu spät vor, oft nur ein bis zwei Jahre vorher.

Frage 4

Wie viele Betriebe schließen, weil kein Nachfolger da ist?

Laut KfW planten im Frühjahr 2025 rund 243.000 Mittelständler, ihr Unternehmen bis Ende 2026 stillzulegen, bis Ende 2029 sind es 569.000. Für 47 Prozent ist fehlendes Interesse der Familie ein Grund. In der IHK-Beratung erwogen 2024 laut DIHK 27 Prozent der Unternehmen eine Aufgabe, davon 92 Prozent mangels Nachfolger.

Quelle: KfW Research, DIHK

Eine Stilllegungsabsicht ist keine Schließung. Manche Inhaber finden doch noch einen Nachfolger, andere übergeben Kunden und Mannschaft an einen benachbarten Betrieb. Die Zahlen zeigen aber, wie viele Unternehmen ohne Planung verloren gehen können.

Die DIHK-Zahlen stammen aus Beratungen der Industrie- und Handelskammern. Das Handwerk ist darin nicht enthalten. Rund 5.620 Unternehmen stand dort 2024 kein Nachfolgeinteressent gegenüber, bei 4.016 Interessenten.

Frage 5

Welchen Kaufpreis erwarten Inhaber im Mittelstand?

Im Durchschnitt rund 499.000 Euro, der Median liegt bei 375.000 Euro (KfW, Nachfolgen 2025 bis 2029). Das entspricht im Mittel dem 1,2-Fachen des Jahresumsatzes, im Median dem 0,6-Fachen. Laut DIHK erwarten 36 Prozent der beratenen Inhaber überhöhte Preise. Eine Bewertung Ihres Betriebs ersetzen diese Durchschnittswerte nicht.

Quelle: KfW Research, DIHK, Zentralverband des Deutschen Handwerks

Häufig wird die KfW mit einer Spanne von 25 bis 50 Prozent des Jahresumsatzes für Bau und Handwerk zitiert. In der KfW-Veröffentlichung steht diese Spanne als Expertenschätzung der Fachzeitschrift FINANCE für Unternehmen mit bis zu 20 Millionen Euro Umsatz. Die KfW betont dort ausdrücklich, dass eine Kaufpreisermittlung keinem allgemeinen Schema folgt.

Viele Inhaber kennen den Wert ihres Betriebs nicht. In der ZDH-Befragung von 2020 hatte nur gut jeder fünfte Inhaber, der in fünf Jahren übergeben wollte, eine Unternehmensbewertung durchführen lassen (22 Prozent). In der Dortmunder Kammerumfrage 2026 hatte ein Drittel keine Bewertung geplant oder vorgenommen.

Im Handwerk ist das AWH-Verfahren der Kammern üblich. Es geht vom nachhaltig erzielbaren Ertrag aus, zieht einen angemessenen Unternehmerlohn ab und berücksichtigt, wie stark der Betrieb am Inhaber hängt. Eine erste Orientierung für Ihren Betrieb gibt unsere Wertermittlung.

Frage 6

Wie viele Betriebe gibt es in den großen Gewerken?

Ende 2025 waren in den Verzeichnissen der Handwerkskammern 641.462 Betriebe in zulassungspflichtigen Handwerken eingetragen (ZDH). Die größten Gewerke sind Elektrotechniker mit 65.392 und Kraftfahrzeugtechniker mit 59.884 Betrieben. Bei Tischlern und Malern ist der Bestand seit 2015 um mehr als zehn Prozent gesunken.

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks

Die Tabelle zeigt den Betriebsbestand je Gewerk zum Jahresende. Die Veränderung ist eine eigene Berechnung aus den ZDH-Daten.

Wie viele Betriebe gibt es in den großen Gewerken?
GewerkBetriebe Ende 2015Betriebe Ende 2025Veränderung (eigene Berechnung)
Elektrotechniker61.30765.392plus 6,7 Prozent
Kraftfahrzeugtechniker62.52159.884minus 4,2 Prozent
Installateur und Heizungsbauer50.84349.992minus 1,7 Prozent
Maler und Lackierer41.72337.157minus 10,9 Prozent
Tischler39.49334.571minus 12,5 Prozent
Dachdecker15.76515.160minus 3,8 Prozent

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Häufig gefragt

Kurze Antworten zum Thema

Die Antworten dienen der ersten Orientierung und ersetzen keine individuelle steuerliche oder rechtliche Prüfung.

Ist die ZDH-Nachfolgeumfrage 2026 schon erschienen?
Nein, Stand 5. November 2026. Die Befragung lief vom 11. September bis 30. Oktober 2026. Die jüngsten veröffentlichten bundesweiten Ergebnisse stammen aus einer Befragung im dritten Quartal 2020, veröffentlicht im März 2021.
Welches Problem nennen Handwerksinhaber bei der Nachfolge am häufigsten?
Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. In der ZDH-Befragung von 2020 nannten das 57 Prozent, die Ermittlung des Unternehmenswerts 40 Prozent und steuerliche Fragen 31 Prozent. In der Dortmunder Kammerumfrage 2026 nannten 55 Prozent die Nachfolgersuche.
Wie viele Nachfolgen werden in der Familie gelöst?
Laut einer Metaanalyse des IfM Bonn über 40 Jahre gut die Hälfte. Etwa 17 Prozent übernahmen Beschäftigte, 29 Prozent Externe. Die Auswertung betrifft Familienunternehmen aller Branchen.
Darf ich diese Zahlen zitieren?
Ja. Nennen Sie bitte die Originalquelle mit Datum, wie in der Quellenliste unten angegeben. Die Berechnungen in den Tabellen sind als eigene Berechnung von weitermeistern gekennzeichnet.

Quellen und weiterführende Informationen

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